#weltmenschentag

Mein Text zum Weltmenschentag, inspiriert von der großartigen Ruth Löbner



Ich mag die Farbe Blau. Ich backe gern und esse viel Süßes. Ich trinke viel Tee und Saft, Sprudelwasser und manchmal Weißwein. Ich stricke mit Nadeln ab Stärke 5 Mützen und Schals und benutze Deo, Seife und Shampoo in fester Form. Ich stehe gern früh auf und sitze oft bis mittags im Bademantel am Schreibtisch. Ich bin ein Bewegungsmensch. Ich konnte in meiner Jugend 1,70 m hochspringen und die Mondscheinsonate auf dem Klavier spielen. Heute kann ich in den Kopfstand und ins Rad gehen. Ich mag den Wald lieber als die Berge, Seen lieber als das Meer, Hitze lieber als Kälte, gebundene Bücher mehr als Ebooks und Ebooks mehr als Taschenbücher. Ich kann gut riechen und schlecht sehen. Ich mag keinen Wind. Ich mache Yoga, ich tanze gern und würde am liebsten einmal pro Woche schwimmen gehen, vergesse es aber regelmäßig. Als Zehnjährige hatte ich einen Dackel, der Knochen unter meinem Kopfkissen versteckte. Daran muss ich oft denken, wenn ich im Bett liege. Ich wollte Fernsehballett-Tänzerin werden und übte zu Schlagermusiken, wirkungsvoll die Treppe hinunterzugehen. Ich hatte zwei Bänderrisse, aber noch keine Knochenbrüche. Meine Lieblings-Asana im Yoga ist die Schildkröte. Rückbeugen fallen mir leichter als Vorbeugen. Ich mag Bigband-Sound und Jazz, Klaviermusik und Tiere mit Fell, außer Ratten. Ich habe fünf sehr gute Freundinnen und zwei sehr gute Freunde. Ich habe zwei Söhne, zwei Brüder, einen Ehemann und keinen Liebhaber. Ich habe mit 15 Jahren meine Periode bekommen, ich hatte mit 16 Jahren meinen ersten Freund und bis zur Heirat mit 30 Jahren zwei weitere. Ich küsse gern. Ich kann nicht singen. Ich habe Schwierigkeiten Comics zu lesen, weil ich Bilder und Texte falsch zuordne. Ich gehe oft in die Sauna, ins Kino und ins Theater. Ich habe regelmäßig viele blaue Flecken, weil ich gegen Möbel laufe. Ich mag Gruppenerlebnisse und bin gern allein. Wenn ich mich in einer Gruppe von Freunden sehr wohlfühle, werde ich albern und spiele den Clown. Wenn ich mich in Gegenwart anderer sehr unwohl fühle, mache ich dasselbe, finde es aber anstrengend, weil ich mich dabei beobachte. Ich glaube nicht an Gott. Ich habe Angst vor tiefem Wasser, von Milch wird mir schlecht. Ich nehme gute und schlechte Energien wahr. Bis ich 35 Jahre alt war habe ich geglaubt, ich müsste jeden Streit annehmen und wusste nicht, dass ich Grenzen haben durfte, die andere respektieren sollten. Ich finde den Zusammenhang zwischen Traumata und Lernschwierigkeiten sowie Systeme aller Arten interessant. Ich mache mir viele Notizen. Ich war noch nie Probandin einer wissenschaftlichen Untersuchung. Ich bin nur unter der Dusche schlagfertig. Im Winter gehe ich so oft wie möglich in die Badewanne. Den Glauben an Astrologie finde ich absurd, mit Narzissten habe ich kein Mitleid. Ich war für meine Mutter die leichteste ihrer drei Geburten. Ich mag meine Haare, meine Brüste und meine Oberschenkel. Ich kann technische Probleme oft intuitiv lösen, ich mag Puzzles, Kreuzworträtsel, Formulare und Tabellen. Ich kann gut Dialoge schreiben und Titel und Überschriften erfinden. Ich stecke nie den Kopf in den Sand. Ich bin nicht ehrgeizig, aber fleißig; ich bin nicht ordentlich, aber strukturiert. Ich kann mir nicht merken, wer in welchen Häusern unserer Straße wohnt, bis ich dorthin eingeladen werde. Ich war auf 4 Grundschulen, 3 Gymnasien und 2 Universitäten. Ich bin fest davon überzeugt, dass man sich selbst erfinden kann. Ich hätte gern einen stärkeren Willen. Ich wurde zweimal im meinem Leben von Arbeitskolleginnen gemobbt. Es fühlte sich beide Male an wie Betrug, den ich zu spät bemerkte. Ich kann mich gut selbst versorgen, ich bin nicht nachtragend, ich habe immer ausreichend, aber nie viel Geld, es fällt mir nicht schwer, auf etwas zu verzichten; die Angst etwas zu verpassen, kenne ich fast gar nicht. Wenn ich mir die Zähne putze, lasse ich dabei kein Wasser laufen. Keiner meiner Finger ist grün. Ich war noch nie gelb vor Neid, früher wurde ich schneller rot als heute. Ich mag das Sitzen am offenen Feuer und an stehenden Gewässern. Ich würde lieber verbrennen als ertrinken. Man traut mir viel zu. Ich werde oft überschätzt, Wörter kann ich mir besser merken als Zahlen, Geschichten besser als Gesichter.  Wenn die Sonne durch die Wolken bricht, fühle ich mich mitgemeint. Ich schlafe auf dem Bauch. Ich habe keine Angst vor Spinnen. Ich halte die Anerkennung eines dritten Geschlechts für einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Ich bin noch nie fast gestorben. Ich möchte lieber nicht zum Mond fliegen. 

16. März 2019